Projektwochen „Touch the future“

Zwei Workshops mit Kindern in Corona-Zeiten
22. bis 30. Juni 2020 KuBi:Land  Grundschule Mosaik Borod

Kunstprojekt „Trash“
Tanzprojekt  „One Earth-One People-One Love“

Unter dem Motto „touch the future” haben Kinder der Grundschule Mosaik in Borod seit Beginn des Jahres verschiedene Themen im Rahmen des Projektes KuBi:Land künstlerisch und musikalisch behandelt. Am Ende des Schuljahres waren Projektwochen geplant, die zunächst dann auf Grund der Corona-Pandemie gar nicht realisierbar erschienen.
Als am 4. Mai die Schulen in RLP teilweise wieder geöffnet wurden, wuchs die Hoffnung, doch noch etwas entstehen zu lassen. Aufgrund der angepassten Rahmenbedingungen im schulischen Kontext waren dann nur noch Angebote in klassengebundenen Lerngruppen, also für je 7-9 Kinder, denkbar.
So startete am 22. Juni eine Lerngruppe der zweiten Klasse mit 8 Kindern mit dem Kunstprojekt „Trash“ /Kunst aus Müll. Insgesamt waren schließlich 17 Kinder der zweiten Klasse, je zwei Gruppen an zwei Tagen und mit Start am 27.Juni 18 Kinder aus der dritten Klasse, je zwei Gruppen an zwei Tagen mit dem Tanzprojekt „One Earth-One People-One Love“ beschäftigt. Die beiden Projektleiter vom Kunsthaus Wäldchen Daniel Diestelkamp und Dorothé R. Marzinzik begleiten die Workshops.
Obwohl die Kunstpädagogen und die Tanzpädagogin sich nicht direkt austauschten, schufen sie doch mit ihren Workshops einen gemeinsamen Bogen, der in seiner thematischen Verknüpfung in der Schule als Dokument besonderer Zeiten lange nachhallen wird.

„Trash – Kunst aus Müll“

Ein Kunstprojekt aus Abfall mit der Künstlerin Janet Grau und dem Künstler Axel Weigend
im Rahmen von „touch the future“ KuBi:Land

Material für den Kunstworkshop

Die Künstlerin Janet Grau aus Heidelberg und der Künstler Axel Weigend aus Altenkirchen hatten ein Konzept erarbeitet, wie sie mit den Kindern aus Abfall und Müll ein bleibendes Kunstwerk schaffen können. Das Konzept: Kinder sammeln Müll aus ihrem Haushalt, tragen ihn zusammen und bauen daraus etwas, was auf Dauer in der Schule als Kunstwerk und als Mahnmal an den Umgang mit unseren Ressourcen installiert werden soll. Axel Wiegend leitet die Jugendkunstschule in Altenkirchen, die nun den Kindern für vier Tage als Werkstatt zur Verfügung stand. Da nun die Zahl der teilnehmenden Kinder auf maximal neun beschränkt wurde, stellte Herr Weigend im Werkraum alles auf diese Zahl und die Erfordernisse des social distancing ein. Am 22. Juni um 8.20 Uhr fuhr so der erste Bus mit 8 Kindern und der begleitenden Klassenlehrerin von der Grundschule Mosaik in Borod zur Jugendkunstschule nach Altenkirchen, wo er um 8.29 Uhr ankam und die Kinder zur ersten Kunstworkshopeinheit unter Corona-Bedingungen ausstiegen ließ.

Arbeiten unter Hygienebedingungen
Nachdem die beiden Künstler die Kinder auf dem Vorhof in Empfang nahmen, ging es zunächst mit Nasen-Mundschutz in die Werkhalle, eine alte Kfz-Werkstatt. Hier fand jedes Kind eine eigene Werkbank mit Schere, Pinsel und anderem Werkzeug vor. Die Masken durften nun abgenommen werden. Jetzt staunten die Kinder erst einmal über die Dinge, die sie in diesem Kunstatelier sehen konnten. Herr Weigend als Gastgeber erzählte zu dem ein oder anderen sichtbaren Kunstwerk eine kleine Geschichte. Nachdem dann ausgetauscht wurde, was alles an Müll und Abfall mitgebracht worden war und wie die Stoffe zum Beispiel in Tetra Paks die Umwelt durch aufwendige Herstellung und Recycling oder durch illegales Entsorgen in der Natur und im Meer belasten, und nachdem die Künstler die Idee des Werkens an einem Mobile erläutert hatten, begann jedes Kind mit dem Zerschneiden und Bearbeiten seiner Müllobjekte. Weitere mitgebrachte Materialien waren Eierkartons, Stoffreste, Wollfäden, Draht, Kronkorken und Plastikdeckel. Zur Befestigung und Hängung der Müllfetzen haben die Kinder auch noch kleine Äste aus dem Wald und ausrangierte Plastik-Kleiderbügel mitgebracht.
Beim Werken an einem anderen Platz, zum Beispiel Arbeiten mit Hämmern und Sägen müssen Abstandsregeln eingehalten werden. Das dabei benutzte Werkzeug wird zwischenzeitlich desinfiziert.
An wieder einem anderen Platz suchen sich Kinder Farben zum Bemalen aus. Hierbei nehmen sie einen Teller, auf den einer der Künstler ihnen gewünschte Farbpaste ausdrückt.
Der Tag in der Jugendkunstschule endet für jede Gruppe gegen 11.20 Uhr mit der Rückfahrt in die Schule.

Kunst aus Müll – Mobile im Treppenhaus der Grundschule Mosaik Borod

Fertigstellung und Installation in der Schule
Nachdem die Kinder am ersten Tag ihre Müllschnipsel geschnitten, bemalt haben, beginnt am zweiten Tag die Hängung aller Kleinteile. Dafür müssen Korken durchlöchert und Fäden gezogen werden. Bei diesen Arbeiten ist Hilfe durch die begleitende Klassenlehrerin Ineke Stenz und die Künstler nötig. Jedes Kind schafft schließlich einen eigenen Charakter mit seiner Auswahl an Farben, Formen und Beschaffenheiten.
Schließlich werden in der Mitte des Kreises der Werkbänke auf einer Stange alle Individualwerke angebracht und am letzten Tag nachmittags in der Schule an einem dafür vorher ausgesuchten gut geschützten Platz von der Künstlerin Janet Grau auf hoher Leiter gehangen.

Nachhaltige Wirkung
Den Künstlern ist es gelungen, den Kindern unter erschwerten Bedingungen in einem kurzweiligen Programm  gestalterische und handwerkliche Impulse zu verleihen, motorische Fähigkeiten zu vermitteln und im Bewusstseinsprozess mit weggeworfenen Dingen eine bleibende Auseinandersetzung und Sensibilisierung mit Material und den Folgen eines verschwenderischen Umgangs mit Ressourcen zu vermitteln. Durch die individuelle Teilhabe jedes einzelnen Kindes und die Unterstützung der Künstler für das individuelle Gestaltungspotential blieben die Kinder, auch in schwierigeren Situationen und bei motorischen handwerklichen Herausforderungen immer bei der Sache. Die Künstlerin Janet Grau brachte zwischendurch kleine Bewegungs- und Tanzeinheiten ein, das Arbeiten war zeitweise sehr still, dann aber wurde alles auch wieder durch Musikeinheiten mit rhythmischen Sounds aus dem Klangbox aufgelockert.
Die Kinder zeigten in ihrem Feedback eindeutig, wie ihnen dieses Projekt gefallen hat und mit welchen anderen Themen sie sich in einer weiteren Atelierarbeit gerne beschäftigen würden.
Die Kunstwoche und die hängende Installation wird den Kindern und der Schule noch lange als großartige Aktion gegenwärtig bleiben.

 

Tanzprojekt „One Earth-One People-One Love“

Tanzprojekt „One Earth-One People-One Love“

Bei diesem Projekt mit der Tänzerin und Tanzpädagogin Bettina Tornau handelte es sich um eine Fortsetzung einer Workshoparbeit im Februar mit Kindern der dritten Klasse.
Diese Projekttage waren lange gefährdet, da Tanz unter Corona-Bedingungen gar nicht denkbar war. Es findet schon seit einiger Zeit kein Sportunterricht in den Schulen statt.
Die Tänzerin hatte dann ein besonderes Konzept vorgelegt, in dem die Abstandsgebote zum speziellen Thema gemacht und die Ausrichtung strukturell hierauf entlang der 8.Landesverordnung zur Corona-Pandemie RLP mit Bezug auf Tanzunterricht angelegt war.

Die Konzeptideen im Einzelnen:
Tanzarrangements auf der Stelle. Distanz-Tanz mit langen Bambusstäben. Schneller Bewegungsfluss in Bahnen aus Meeresmüll. Vier-Elemente-Tanz und Choreografie zu einem Astronauten O-Ton.

Die Lerngruppen, bestehend aus je 8 oder 9 Kindern nahmen zunächst an markierten Plätzen in der Turnhalle mit ihren Mund- und Nasenschutzmasken Platz. Nach der Vorstellung und Besprechung der Workshopziele und -inhalte durften die Kinder die Maske abnehmen und zunächst mit Körperbewusstseins- und Bewegungsübungen am Platz beginnen. Vor allem die Übung, mit großen Bewegungen von Kopf, Beinen, Ellenbogen, Armen und Becken, seinen Namen zu schreiben, wirkten bei den Kindern schnell leicht und tänzerisch. Zu unterschiedlicher Musik folgten dann freie Bewegungseinheiten zu den Elementen Feuer, Wasser, Luft und Erde. Zu schneller Musik bewegten die Kinder sich schließlich frei unter Wahrung des Abstandsgebotes im Raum.

Projektwochen „touch the future“

Tanzprojekt „One Earth-One People-One Love“

Am Ende einer nun entstehenden Choreografie bewegen sich die Kinder horizontal entlang ausgelegter verknoteter und mit weiterem Abfall ausgedienter gefüllter Gemüse und Kartoffelsäcke, die wie Fischernetze wirken, wellenartig durch den Raum und rollen die Netze am Ende ein. Die anspruchsvolle Musik zu diesem Tanz mit dem Titel „One Earth – One People – One Love“ mit einer Original-Astronautenstimme, in der die Schönheit und Zerbrechlichkeit unseres Planeten thematisiert wird, stammt von dem Komponisten Terry Riley und wurde realisiert vom Kronos-Quartett.

Die Kinder, die an diesem Projekt teilnehmen, die sich sehr unterschiedlich und in unterschiedlichem Tempo einlassen, sind am Ende der vier Tage beeindruckt und traurig, dass es schon zu Ende ist. Bei den Jungen fällt auf, dass es einige gibt, deren Bewegungspotential sofort zu erkennen ist. Andere brauchen eine Zeit, ihre Freude an der Sache auch zu erkennen zu geben. Die Tanzpädagogin hat dafür ein feines Gefühl und hält manches Kind mit klaren Worten zu einer gewissen Disziplin an. Andererseits schafft sie es, durch ein vielfältiges Angebot letztendlich alle Kinder abzuholen. Zum Beispiel lässt sie die Kinder mit den Bambusstangen auf dem Kopf balancieren.

Tanzprojekt „One Earth-One People-One Love“

Diese Aufgabe provoziert nun manchen Ehrgeiz, der die Kinder schließlich leicht auch in andere Bewegungsformen zu führen vermag. Bei den Mädchen zeigen sich großartige Bewegungstalente. Diesen wünscht man, dass sie dranbleiben und ein Angebot finden, das Tanzen im regelmäßigen Training Stück für Stück auszubauen und für sich als Leidenschaft zu bewahren.

In der Corona-Zeit markierte dieser Workshop für die Kinder eine dankbare Abwechslung vom Corona-bedingten, bei Kindern und Lehrer:innen mehrheitlich ungeliebten Frontalunterricht in der Klasse. Er offenbarte eine große Bewegungslust und brachte zusätzlich ein ersehntes Gemeinschaftserlebnis zurück, das lange vermisst wurde.
Eine eindrucksvolle Erfahrung, der nun eigentlich nur noch die Perfomance mit Publikumsbeteiligung folgen müsste.

„Touch the future“ wird unterstützt vom Fonds Soziokultur, von der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur, der Stiftung Kriminalprävention RLP, der Kinderhilfsaktion Herzenssache von SWR und Sparda-Bank, von Lotto RLP, durch die Westerwaldbank, Sparkasse Westerwald-Sieg, sowie die Verbandsgemeinde Hachenburg mit den Ortsgemeinden Borod, Wahlrod und Mudenbach.

Daniel Diestelkamp, 14. Juli 2020

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